Für Ihre Propaganda setzten die Hauptträger von antisemitischen Kampagnen auf Medien, welche weit verbreitet werden konnten und deren Botschaften rasch konsumierbar waren. Dazu zählten insbesondere auch Notgeldscheine, die ab 1918 in grossen Mengen ausgegeben wurden.

 

Bereits während des 1. Weltkriegs begann die Kaufkraft der Deutschen Mark zu sinken, es entwickelte sich eine bis November 1923 andauernde Inflation. Nicht nur das Währungssystem steckte in einer Krise, die gesamte Ökonomie Deutschlands war, verursacht durch die horrenden Kriegskosten, am Boden.

Die Bevölkerung hatte Existenzängste und lastete den wirtschaftlichen Abstieg, grassierende Hungersnot sowie die Kriegsniederlage der jüdischen Minderheit an, welche im Jahre 1918 nur rund 1 % der deutschen Gesamtbevölkerung ausmachte. Bereits in Wirtschaftskrisen vor dem 1. Weltkrieg hatte Antisemitismus einen fruchtbaren Nährboden. Die jüdische Bevölkerung war historisch bedingt vorwiegend in Handelsberufen tätig und stieg deshalb im Verhältnis zu Anderen sozial schneller auf. Zudem sind die Gründe für Krisen undurchsichtig, weshalb sie oft auf die ökonomische Dominanz der jüdischen Minderheit zurückgeführt wurden.

Obwohl der Anteil an jüdischen Frontsoldaten hoch war und zahlreiche Freiwillige in der deutschen Armee Dienst leisteten, wurden die Juden während des 1. Weltkriegs als Drückeberger und Profiteure, unter anderem am limitierten Lebensmittelhandel, betrachtet.

Schon während des Krieges wurde antisemitische Propaganda verbreitet. Diese wurde jedoch von den Zensurstellen der Regierung zensiert, um die Einigung (der sogenannte Burgfriede) nicht zu gefährden. Nach Kriegsende konnte die Propaganda ungehindert verbreitet werden. Zeitschriften, Flugblätter, Plakate etc. mit antisemitischem Inhalt wurden gedruckt und im Land verteilt. Zahlreiche rechtsradikale Gruppen, Vereine und Verbände wurden gegründet und gewannen rasch an Mitgliedern. Hauptträger antisemitischer Kampagnen war zunächst der Deutschvölkische Schutz- und Trutzbund (DSTB).

Um der ausufernden Inflation Herr zu werden, liessen Stadt- und Bezirksverwaltungen eigene Notgeldscheine produzieren und garantierten deren materiellen Gegenwert. Die Herstellung des Notgelds wurde bei privaten Druckereien in Auftrag gegeben. Diese Situation nutzten der DSTB und die NSDAP, um einzelne Scheine mit Propagandastempeln zu versehen oder eigenes Pseudonotgeld mit antisemitischen Motiven in Umlauf zu setzen. Es gab jedoch auch offizielles Notgeld, ausgegeben von Stadtverwaltungen, die mit antisemitischen Motiven versehen waren (siehe Bilder).

Die Motive auf diesen antisemitischen Notgeldscheinen klagten die Juden als Kriegsprofiteure und Verursacher der Inflation an. Es wurde die Meinung propagiert, die Juden hätten grosse Mengen an Bargeld aufgekauft, gehortet und seien deshalb für die Inflation verantwortlich.

Im «Dritten Reich» verloren diese Instrumente der Propagandaverbreitung an Bedeutung, da die Nationalsozialisten über effektivere Mittel verfügten, um den Alltag mit antisemitischen Botschaften zu durchdringen (Diskriminierungs-, Terror- und Boykottaktionen, Rassenkunde als Schulfach, neue Medien wie Fotografie, Film und Rundfunk).