Was ist der Wert einer Tausendernote? ─ Rund 30 Rappen. Das sind die Herstellungskosten laut Orell Füssli. Trotzdem kann man mit dem länglichen Portrait des Basler Kunsthistorikers Jacob Burckhardt viel Schönes erwerben. Das ist praktisch und funktioniert. Jedenfalls solange der Verkäufer an die (Kauf-)Kraft des bunten Zettels glaubt. Es geht also um Vertrauen. Wir vertrauen unserer Nationalbank, der Schöpferin des Frankens, der Hüterin der Preisstabilität.

Unsere Vorfahren haben beim Handeln keiner zentralen Institution vertraut. Sie sahen den direkten Nutzen des Tauschguts. So dienten einigermassen haltbare Sachwerte wie Salz, Felle, Werkzeuge und Metalle oder in anderen Kulturen Muscheln und Perlen als Warengeld. Aus heutiger Sicht klingt das alles furchtbar unpraktisch. Wir zücken lieber die Karte (Plastikgeld) oder eben den Schein (Papiergeld).

Geld muss nur drei Dinge können

Dass der Schein manchmal trügt, wird klar, wenn man sich den Zweck des Geldes vor Augen führt. Erstens ist es ein Zahlungsmittel. Zweitens ist es ein Wertaufbewahrungsmittel. Drittens ist es ein Wertmassstab.

Als Zahlungsmittel taugt der Franken nur in einem relativ kleinen Gebiet, auf gut 41’000 Quadratkilometern. Als Wertaufbewahrungsmittel hat der Franken nachweislich versagt. Selbst wenn ich den Hunderter, den meine Grossmutter in den Fünfzigern auf die Seite legte, noch in ein Exemplar der heutigen Serie tauschen könnte, wäre ich bitter enttäuscht, wie wenig die damalige Arbeitsleistung einer ganzen Woche heute noch wert ist. Klar: Im Sparschwein der Grossmutter gab es keine Zinsen. Ebenfalls nichts kriegen wir heute für unseren Saldo auf der Bank, zumindest nach Kontoführungsspesen.

Nun bleibt auch die dritte Aufgabe unseres Geldes mehr schlecht als recht erfüllt. Als Wertmassstab taugt der Franken höchstens innerhalb derselben Region und derselben Epoche. Ein Kebab kostet in Olten weniger als in Zürich. Dennoch sind beide gleich viel wert. Beide stillen den Hunger. Und dasselbe taten sie auch, als sie vor zehn Jahren nur sieben Franken kosteten.

Den Fokus öffnen

Unsere (noch) geschätzte Landeswährung ist nicht isoliert zu betrachten. Ihre Kaufkraft hielt sich relativ gut im Vergleich zum Euro, dem US-Dollar oder den meisten übrigen Währungen. Das internationale Geschehen, Devisenkurse und Zinsen spielen eine entscheidende Rolle für unsere Währungshüter. Die Schweizer Nationalbank (SNB) hat ihre Bilanzsumme unfreiwillig auf knapp 750 Milliarden Franken aufgebläht, was die jährliche Wirtschaftsleistung der Eidgenossenschaft deutlich übertrifft. Zunächst musste die SNB Unmengen Liquidität erzeugen und bereitstellen, um den Kollaps des Finanzsystems zu verhindern. Seit dem 6. September 2011 kauft sie Milliarden Euros ─ zunächst, um den Mindestkurs von 1.20 zu halten, jetzt um den Eurokurs um 1.10 zu stützen. Als der Franken zu stark wurde und damit Schweizer Produkte im Ausland empfindlich verteuerte, war der Mindestkurs eine (umstrittene) Option, um tausende Arbeitsplätze in der Exportindustrie und im Tourismus zu erhalten. Der Wechselkurs ist auch ein wichtiger Grund, warum es bei uns keine höheren Zinsen geben kann. Die florierende Schweizer Volkswirtschaft und gefährlich günstige Hypotheken sprechen zwar für höhere Zinsen. Aber höhere Zinsen würden den Aufwertungsdruck des Frankens erneut anfachen.

Heute wollen alle grossen Volkswirtschaften eine schwächere Währung. So lassen sich die eigenen Schulden entwerten, die Exporte antreiben und Touristen anlocken. Die Mechanik des Devisenhandels ─ eine Währung steigt, eine andere fällt ─ verunmöglicht es, dass alle Länder gleichzeitig eine schwache Währung haben können. Also überbieten sich die Zentralbanken gegenseitig beim Gelddrucken, also beim Verwässern ihrer Währungen. Das jüngste Extrembeispiel ist Japan.

Unliebsame Nebenwirkungen

Dass das ungedeckte Aufblasen der Geldmenge (Inflation) keine Teuerung verursacht, liegt an der Tatsache, dass Geld zwei Dimensionen hat: Menge und Geschwindigkeit. Bleibt die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes tief, z.B. weil die Menschen verunsichert sind, also mehr sparen und weniger ausgeben, steigen die Preise alltäglicher Güter kaum.

Ein weiterer Grund ist der sogenannte Cantillon-Effekt: Geschäftsbanken erzeugen durch Kreditvergabe Buchgeld (auch: Giralgeld) und dieses fliesst mehrheitlich in Wertpapiere, also nicht in die Realwirtschaft. Resultat: Die Vermögensschere öffnet sich immer weiter. Wohlhabende, also die Inhaber der Wertpapiere, werden ohne Arbeit reicher. Wer nicht an der Börse partizipieren kann, bleibt arm. Dass sich der Arme theoretisch die Produktion einer Tausendernote leisten könnte, nützt ihm nichts.